Vorhaben

Terrassenüberdachung: Wann Sie eine Baugenehmigung brauchen

Eine Terrassenüberdachung ist in vielen Ländern bis zu einer bestimmten Fläche verfahrensfrei. Wie groß sie sein darf, ob eine Tiefe oder ein Grenzabstand gilt und ob seitliche Verglasung schadet, regelt jede Landesbauordnung anders. Hier stehen die Werte aus dem Gesetzestext von sechs Ländern und die Abgrenzung zu Pergola, Markise und Wintergarten.

Inhaltsverzeichnis
  1. 01Braucht sie eine Genehmigung?
  2. 02Grenzwerte nach Bundesland
  3. 03Terrassenüberdachung in NRW
  4. 04Bayern, Niedersachsen und andere
  5. 05Pergola, Markise, Seitenwände
  6. 06Was trotzdem gilt
  7. 07Vor dem Kauf prüfen
  8. 08Anfrage an Fachpartner
  9. 09Häufige Fragen
01 Grundsatz

Braucht eine Terrassenüberdachung eine Baugenehmigung?

Eine feste Überdachung der Terrasse ist eine bauliche Anlage und ändert das Gebäude, an das sie anschließt. Ohne besondere Regel wäre sie genehmigungspflichtig. Die Landesbauordnungen haben deshalb eigene Tatbestände für Terrassenüberdachungen geschaffen.

Die Musterbauordnung, an der sich die Länder orientieren, nennt Terrassenüberdachungen bis 30 m² Fläche und 3 m Tiefe als verfahrensfrei (§ 61 Abs. 1 MBO). Die Länder sind dem nicht einheitlich gefolgt. Manche erlauben mehr Fläche oder Tiefe, manche verlangen einen Abstand zur Grenze, eines begrenzt nicht die Fläche, sondern den umbauten Raum.

Wichtig ist der Begriff selbst: Eine Terrassenüberdachung ist ein Dach über einer Terrasse, das seitlich offen bleibt. Wird sie rundum verglast und wie ein Raum genutzt, ist sie ein Wintergarten, für den andere Regeln gelten.Diese stehen auf der Seite Wintergarten Baugenehmigung.

02 Länder

Terrassenüberdachung ohne Baugenehmigung: Werte nach Bundesland

Die Tabelle gibt die Voraussetzungen so wieder, wie sie im Katalog der verfahrensfreien oder baugenehmigungsfreien Vorhaben stehen. Aufgenommen sind nur Länder, deren Gesetzestext wir in der genannten Fassung gelesen haben.

Verfahrensfreie Terrassenüberdachungen nach Landesbauordnung (Stand Oktober 2026)
LandVoraussetzungen laut GesetzVorschrift
Nordrhein WestfalenFläche bis 30 m² und Tiefe bis 4,50 m§ 62 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 g BauO NRW 2018, Fassung ab 01.09.2026
BayernFläche bis 30 m²Art. 57 Abs. 1 Nr. 1 g BayBO, Text gültig ab 01.05.2026
Niedersachsennicht mehr als 40 m² Grundfläche, Abstand von mindestens 3 m zur Grenze des Nachbargrundstücks§ 60 Abs. 1 mit Anhang Nr. 1.8 NBauO, Fassung ab 01.07.2025
HessenÜberdachungen und Teilverglasungen von erdgeschossigen Terrassen bei Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3; keine Flächengrenze im Wortlaut; Vorbehalt: Bescheinigung der statisch konstruktiven Unbedenklichkeit vor Ausführung§ 63 mit Anlage Abschnitt I Nr. 1.13 und Abschnitt IV Nr. 3 HBO, Fassung ab 14.10.2025
Baden WürttembergTerrassen und Terrassenüberdachungen im Innenbereich bis 30 m² Grundfläche, nicht Dachterrassen und ihre Überdachungen§ 50 Abs. 1 mit Anhang 1 Nr. 1 l LBO, Fassung vom 16.03.2026
Rheinland Pfalzzu ebener Erde liegende, unbeheizte Anbauten wie Terrassenüberdachungen bis 50 m³ umbauten Raums bei Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3, nicht bei Wohngebäuden im Außenbereich§ 62 Abs. 2 Nr. 2 LBauO, Fassung ab 01.11.2025

Quellen: Gesetzestexte in den genannten Fassungen, gelesen am 27.10.2026. Gebäudeklassen 1 bis 3 sind nach § 2 Abs. 3 MBO Gebäude mit einer Höhe bis 7 m; die Länder übernehmen diese Einteilung weitgehend. Andere Länder sind nicht aufgeführt.

03 NRW

Terrassenüberdachung Baugenehmigung in NRW

In Nordrhein Westfalen ist die Terrassenüberdachung in § 62 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 g BauO NRW 2018 geregelt. In der Fassung ab dem 1. September 2026 sind Terrassenüberdachungen mit einer Fläche bis 30 m² und einer Tiefe bis 4,50 m verfahrensfrei. Die Tiefe geht damit über die 3 m der Musterbauordnung hinaus.

Beide Werte müssen eingehalten sein. Eine Überdachung mit 6,50 m Breite und 4,50 m Tiefe hat 29,25 m² und bleibt unter der Grenze, eine mit 7,00 m Breite und 4,50 m Tiefe hat 31,50 m² und überschreitet sie. Planen Sie die Tiefe einschließlich Dachrinne und Überstand, damit Sie nicht knapp über den Wert geraten. Liegt die Überdachung über den Grenzen, brauchen die Bauvorlagen für Terrassenüberdachungen in Nordrhein Westfalen keine bauvorlageberechtigte Person (§ 67 Abs. 2 Nr. 6 BauO NRW 2018).

Im selben Buchstaben stehen Balkonverglasungen und Balkonüberdachungen bis 30 m² Grundfläche sowie Wintergärten bis 30 m² Bruttogrundfläche bei Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 mit einem Mindestabstand von 3 m zur Nachbargrenze. Nach dem Wortlaut bezieht sich der Mindestabstand auf die Wintergärten, nicht auf die Terrassenüberdachung. Für die Terrassenüberdachung gelten aber die allgemeinen Abstandsflächenregeln, sobald sie an die Grenze heranreicht.

04 Länder

Terrassenüberdachung in Bayern, Niedersachsen, Hessen, BW und RLP

Bayern

Art. 57 Abs. 1 Nr. 1 g BayBO nennt Terrassenüberdachungen mit einer Fläche bis 30 m². Eine Tiefe gibt der Text nicht vor. Terrassen selbst, Markisen und Pergolen zählen zu den unbedeutenden Anlagen nach Art. 57 Abs. 1 Nr. 16 g BayBO.

Niedersachsen

Seit dem 1. Juli 2025 sind in Niedersachsen Terrassenüberdachungen mit nicht mehr als 40 m² Grundfläche verfahrensfrei, wenn sie einen Abstand von mindestens 3 m zur Grenze des Nachbargrundstücks einhalten (Anhang Nr. 1.8 NBauO). Die Fläche ist großzügiger als in den anderen Ländern, der Grenzabstand ist dafür Pflicht. Wer an der Grenze überdachen will, braucht in Niedersachsen ein Verfahren.

Hessen

Hessen stellt Überdachungen und Teilverglasungen erdgeschossiger Terrassen bei Gebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 frei, ohne eine Fläche zu nennen (Anlage zu § 63 HBO, Abschnitt I Nr. 1.13). Die Freistellung steht unter dem Vorbehalt nach Abschnitt IV Nr. 3: Das Vorhaben darf erst ausgeführt werden, wenn eine nach § 68 Abs. 3 Satz 2 HBO berechtigte Person die statisch konstruktive Unbedenklichkeit festgestellt und Ihnen bescheinigt hat. Klären Sie vor dem Kauf, wer diese Bescheinigung für Ihren Bausatz ausstellt.

Baden Württemberg

Nach Anhang 1 Nr. 1 l zu § 50 LBO sind Terrassen und Terrassenüberdachungen im Innenbereich bis 30 m² Grundfläche verfahrensfrei. Dachterrassen und ihre Überdachungen sind ausgenommen. Pergolen sind nach Nr. 8 c verfahrensfrei, im Außenbereich bis 10 m² Grundfläche.

Rheinland Pfalz

Rheinland Pfalz misst nicht die Fläche, sondern den umbauten Raum. Zu ebener Erde liegende, unbeheizte Anbauten wie Terrassenüberdachungen und Wintergärten sind bis 50 m³ bei Wohngebäuden der Gebäudeklassen 1 bis 3 baugenehmigungsfrei, nicht aber bei Wohngebäuden im Außenbereich (§ 62 Abs. 2 Nr. 2 LBauO). Eine Überdachung mit 20 m² Fläche und 2,50 m mittlerer Höhe hat rechnerisch 50 m³ und liegt genau an der Grenze.

05 Abgrenzung

Pergola, Markise und Seitenwände: Was noch eine Terrassenüberdachung ist

Die Grenze zwischen den Anlagen ist für die Genehmigungsfrage entscheidend, weil für jede ein anderer Tatbestand gilt.

Abgrenzung nach den gelesenen Landesbauordnungen
AnlageMerkmalEinordnung
Markisebewegliches Tuch, kein festes Dachals unbedeutende Anlage verfahrensfrei in NRW (§ 62 Abs. 1 Satz 1 Nr. 15 f) und Bayern (Art. 57 Abs. 1 Nr. 16 g)
Pergolaoffenes Gerüst ohne geschlossenes Dachverfahrensfrei in NRW, Bayern, Niedersachsen (Anhang Nr. 9.1), Hessen (Abschnitt I Nr. 9.1), Baden Württemberg (Nr. 8 c) und Rheinland Pfalz (§ 62 Abs. 1 Nr. 7 c, nicht in der Umgebung von Kulturdenkmälern und in historischen Park und Gartenanlagen)
Terrassenüberdachungfestes Dach, seitlich offeneigener Tatbestand, siehe Tabelle oben
Wintergartenrundum verglast, als Raum nutzbareigener Tatbestand oder genehmigungspflichtig

Eine Pergola mit fest aufgelegtem Glas oder Polycarbonat ist keine offene Pergola mehr, sondern eine Überdachung. Lamellendächer liegen dazwischen; wie die Bauaufsicht sie einordnet, hängt von der Ausführung ab. Seitliche Wände oder Schiebeelemente ändern die Einordnung ebenfalls. Hessen nennt Teilverglasungen ausdrücklich, die anderen Länder sprechen nur von Überdachungen. Wer seitlich schließt und den Raum beheizt, ist beim Wintergarten.Eine Übersicht weiterer Vorhaben ohne Bauantrag finden Sie unter genehmigungsfreie Vorhaben.

06 Pflichten

Was auch ohne Baugenehmigung gilt

Auch eine verfahrensfreie Terrassenüberdachung muss das öffentliche Recht einhalten. Die Bauordnungen stellen klar, dass Genehmigungsfreiheit nicht von den Anforderungen öffentlich rechtlicher Vorschriften entbindet (§ 60 Abs. 2 BauO NRW 2018, Art. 55 Abs. 2 BayBO, § 59 Abs. 2 MBO).

  • Bebauungsplan: Liegt die Terrasse außerhalb der Baugrenze, kann eine Überdachung dort unzulässig sein.
  • Abstandsflächen: Eine Überdachung mit Wänden oder Stützen nahe der Grenze kann Abstandsflächen auslösen. Die Berechnung erklärt Abstandsflächen auf wohnflaechen-berechnung24.de.
  • Standsicherheit: Schnee und Windlasten richten sich nach dem Standort. Fragen Sie beim Bausatz nach der Statik für Ihre Schneelastzone.
  • Wohnungseigentum: In einer Eigentümergemeinschaft ist eine Überdachung eine bauliche Veränderung; sie wird nach § 20 WEG beschlossen oder durch Beschluss gestattet.
  • Gestaltungssatzung: Örtliche Bauvorschriften können Material oder Dachform vorgeben.

Eine Überdachung, die gegen diese Vorschriften verstößt, kann die Bauaufsicht beanstanden, auch wenn kein Bauantrag nötig war.Was in diesem Fall geschieht, beschreibt die Seite ohne Baugenehmigung gebaut.

07 Checkliste

Checkliste vor dem Kauf einer Terrassenüberdachung

  • Fläche und Tiefe nach Außenmaß einschließlich Rinne berechnen.
  • Abstand zur Nachbargrenze messen, in Niedersachsen mindestens 3 m.
  • Gebäudeklasse des Hauses klären, wenn Ihr Land darauf abstellt (Hessen, Rheinland Pfalz).
  • Bebauungsplan und Gestaltungssatzung bei der Gemeinde anfragen.
  • In Hessen vor dem Bau die Bescheinigung der statisch konstruktiven Unbedenklichkeit einholen.
  • Bei einer Eigentümergemeinschaft den Beschluss vor dem Auftrag fassen lassen.
  • Liegt das Vorhaben über den Grenzen, einen Bauantrag einplanen.Die Gebühren erklärt die Seite Kosten.

Bleibt eine Frage offen, etwa zur Baugrenze, lässt sie sich mit einer Bauvoranfrage verbindlich klären.Wie der Antrag allgemein abläuft, steht auf der Startseite zum Bauantrag.

08 Anfrage

Terrassenüberdachung über der Grenze: Antrag erstellen lassen

Ist Ihre Überdachung größer als erlaubt, liegt sie an der Grenze oder außerhalb der Baugrenze, braucht sie in der Regel einen Bauantrag. Über dieses Formular leiten wir Ihre Anfrage kostenlos an einen unabhängigen, bauvorlageberechtigten Fachpartner weiter. Leistung und Honorar vereinbaren Sie direkt mit ihm.

09 FAQ

Häufige Fragen zur Terrassenüberdachung

Wie groß darf eine Terrassenüberdachung ohne Baugenehmigung sein?

In Nordrhein Westfalen, Bayern und Baden Württemberg bis 30 m², in Niedersachsen bis 40 m² mit 3 m Grenzabstand. Nordrhein Westfalen begrenzt zusätzlich die Tiefe auf 4,50 m, Baden Württemberg gilt nur im Innenbereich. Rheinland Pfalz begrenzt den umbauten Raum auf 50 m³, Hessen nennt keine Fläche, verlangt aber eine Bescheinigung zur Standsicherheit.

Brauche ich in NRW eine Baugenehmigung für die Terrassenüberdachung?

Nicht, wenn sie höchstens 30 m² Fläche und 4,50 m Tiefe hat (§ 62 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 g BauO NRW 2018, Fassung ab 01.09.2026). Bebauungsplan und Abstandsflächen müssen Sie trotzdem einhalten.

Ist eine Terrassenüberdachung mit Seitenwänden noch genehmigungsfrei?

Das hängt vom Umfang ab. Hessen stellt Teilverglasungen ausdrücklich frei. Wird die Überdachung rundum geschlossen und als Raum genutzt, ist sie ein Wintergarten, für den eigene Grenzen gelten oder der genehmigungspflichtig ist.

Gilt für die Terrassenüberdachung ein Abstand zum Nachbarn?

In Niedersachsen ist ein Abstand von mindestens 3 m zur Grenze Voraussetzung der Verfahrensfreiheit. In den anderen Ländern gelten die allgemeinen Abstandsflächenregeln, die bei geschlossenen Bauteilen an der Grenze greifen können.

Brauche ich für eine Pergola eine Genehmigung?

Eine offene Pergola ist in allen sechs hier ausgewerteten Ländern verfahrensfrei, in Baden Württemberg im Außenbereich nur bis 10 m² Grundfläche, in Rheinland Pfalz nicht in der Umgebung von Kulturdenkmälern und in historischen Park und Gartenanlagen. Mit festem Dach wird sie zur Terrassenüberdachung.

Wer bescheinigt in Hessen die statische Unbedenklichkeit?

Eine Person, die nach § 68 Abs. 3 Satz 2 HBO dazu berechtigt ist. Fragen Sie den Hersteller, einen Tragwerksplaner oder die Bauaufsicht, wer das in Ihrem Fall sein kann. Erst mit dieser Bescheinigung dürfen Sie die Überdachung ausführen.

Stand: Oktober 2026. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall.

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